BuddhAID - die Vorgeschichte...

Aktualisiert: Juni 13

Schulversager I Polizist + Personenschützer I Professor I Überlebender I Buddhist

(Auszug aus: Hanfpsychose. Vom psychotischen Umgang über die medizinische Anwendung zu legalen Genuss. Ch. Dorn; Books on Demand; Auflage: 2 - 12. Mai 2016 -

Das etwas andere Büchlein zum Thema Drogenpolitik in Deutschland - authentisch, rustikal, schonungslos ehrlich und mit viel (Galgen-)Humor. Lesen Sie doch zur Abwechslung mal, was wirklich Sache ist.)

Mit der genialen Unterstützung von Hans Söllner.


KAPITEL 2 (Auszug)

Ja, Frau Mortler, ich bin einer der Menschen denen sie angeblich helfen wollen, und sie dürfen sicher sein, dass ich Sie - sollte ihr neues Gesetz das halten was sie versprechen, nämlich Cannabis allen Patienten zugänglich zu machen, die es benötigen - genau so leidenschaftlich loben werde wie ich sie aktuell noch schimpfen muss. Aber halten sie nicht Wort, werde ich mich wohl nochmal an den Computer setzen müssen und wieder und wieder...


Ich weiss, dass ich die Voraussetzungen für eine Ausnahmegenehmigung erfülle und wenn ich mich der Betreuung von Dr. med. Franjo Grotenhermen unterstellen würde, würde ich sie wahrscheinlich auch bekommen. Ganz klar dagegen sprechen dreierlei: 1) Dr. Grotenhermen ist selbst schwer erkrankt und ich glaube, dass er seine Kraft sinnvoller für Menschen einsetzen sollte, die es noch nötiger haben als ich und 2) will ich vorher tot umfallen, bevor ich mich dem völlig willkürlichen und selbstgefälligen Urteil der Gesinnungsgenossen von Frau Mortler, die das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beherrschen, ausliefere und zu Kreuze krieche. Denn eines muss klar sein: Entscheidungen die meinen Körper betreffen, trifft nur einer, und das bin ich! Und 3) habe ich über ein halbes Jahr gebraucht, nur um meinen Behindertenausweis zu bekommen der mir zusteht und den ich in der Form aber auch nur bekommen habe, weil ich mich als Fachmann zur Wehr setzen konnte - ...und der Behindertenausweis wird nicht quasi von CDU/CSU erteilt, ganz im Gegensatz zu einer Cannabis Ausnahmegenehmigung. Was glauben Sie ist nötig, um von diesen völlig kalten und unmenschlichen Prohibitionisten der CDU/CSU eigenen Bundesopiumstelle beim BfArM eine solche zu bekommen. Und selbst wenn, wäre noch immer die Führerscheinfrage offen...


Also: Vom gesunden Menschen zum Patienten wurde ich vor nunmehr 42 Jahren. Im Alter von 6 bekam ich ersteSchübe, die sich derart äußerten, dass ich hohes Fieber bekam, das immer mehrere Wochen anhielt, einhergehend mit diffusen Schmerzen im ganzen Körper, mit einer Fokussierung auf die Leistengegend. Das führte dazu, dass ich häufiger für mehrere Wochen bettlägerig der Schule fernbleiben musste. Die häufig konsultierten Ärzte waren ratlos.


Ein möglicher Verdächtiger schien eine Juvenile idiopathische Arthritis zu sein. Das ist eine chronische entzündliche Erkrankung der Gelenke (Arthritis) des rheumatischen Formenkreises im Kindesalter (juvenil) mit unbekannter Ursache (idiopathisch). Allgemein wird sie unter den Begriff der Autoimmunkrankheiten subsumiert. Allerdings wurde diese Diagnose nicht weiter verfolgt, weil ich auch immer mal wieder symptomfrei war. Dann hieß es immer nur „Wachtumsschübe”...


Da ich durch fast ständige Schmerzen sehr bewegungseingeschränkt war, wurde ich zusehends ein ziemlicher Moppel, was insbesondere die Knie- und Sprunggelenke stark schmerzen ließ, sodass ich zeitweise nur mit Gehhilfen gehen konnte. Um Abhilfe zu schaffen, bekam ich starke Schmerzmittel und Cortison - das mich noch mehr aufschwemmte. Damit hätte ich mich zwar theoretisch bewegen können, allerdings ließen das die aufkommenden Depressionen zu dieser Zeit schon nicht mehr zu. Erst als ich mit 13 in die Pubertät kam, bereits fette 90 kg wog und - in meinem Fall - das eigene Geschlecht interessant wurde, konnte ich mich dieser Herausforderung stellen. Unter ständiger Medikation begann ich mit Bodybuilding und Kampfsport. Die kontinuierliche, tägliche Arbeit mit den Gewichten und auf der Matte, verbesserte meine Beweglichkeit und was noch viel wichtiger war, meinen (psychischen) (Allgemein-)Zustand. So schaffte ich dann auch bis zu meinem 16 Geburtstag, ein durchtrainierter, 60 kg schwerer Jugendlicher zu werden, der sich - so schien es - von seiner Erkrankung nicht unterkriegen ließ. In meiner Welt kämpfte ich aber mit massivendepressiven Schüben die, wie ich heute weiß, auch mit meiner Grunderkrankung zusammenhängen.


Zwei Jahre später verschlechterte sich mein Zustand drastisch - ich wog zu diesem Zeitpunkt muskulöse 90 kg. Innerhalb eines halben Jahres verlor ich über 30 dieser hart erarbeiteten Kilos, da sich eine Medikamentenunverträglichkeit einstellte, die sich in einer permanenten Übelkeit äußerte, die das Essen zum Glücksspiel werden ließ.

Als es mir einmal besonders schlecht ging, kurz vor meinem 19. Geburtstag (ich wog bei 182cm nur noch 58 kg...), besuchte mich ein 15jähriger Freund. Dieser Freund meinte ich solle doch mal Cannabis probieren, seine Großeltern würden das auch so machen und ihnen ginge es damit besser. Und so war es dann auch, nachdem ich von den Großeltern etwas bekommen habe. Die antiemetische (Übelkeit unterdrückende...) Wirkung setzte fast umgehend ein und ich schwöre noch heute jeden Eid, dass der anschließende Big Mäc der beste meines Lebens war!


Das klappte eine ganze Zeit lang sehr gut, die Versorgung war mehr oder weniger gesichert und mir ging es gut. Natürlich kam es wie es kommen musste und die Polizei hat unser „gefährliches Treiben” beendet, was zur damaligen Zeit, es war 1989 und von Cannabis hat noch niemand geredet (obwohl es viele genommen haben...), eine ziemlich große Sache war. Mir ist damals zwar nichts passiert, aber man stand unter Beobachtung (nichts im Vergleich mit dem Überwachungs- und Abhörwahnsinn der heute betrieben wird, aber dennoch...) und musste entsprechend vorsichtig sein.


So lamentierte ich mich durch, immer sicherstellend, dass für den Fall eines Krankheitsschubes etwas Cannabis vorrätig war, was mein Hausarzt damals schon wusste und nicht nur akzeptierte, sondern auch unterstütze. Im Anschluss an den Zivildienst bin ich dann 1992 für ein halbes Jahr nach Kalifornien gegangen, wo schon heiß das Thema „Medizinisches Marihuana” diskutiert wurde und eine entsprechende Legalisierungin greifbarer Nähe schien. Ein befreundeter Medizinprofessor, der zu dieser Zeit in Kalifornien an Cannabis geforscht hatte, klärte mich dann entsprechend auf. In Amerika verschlechterte sich mein Zustand derart, dass ich nach Deutschland geflogen werden musste, wo man noch am gleichen Tag u.a. eine endoskopische transthorakalen Sympathektomie (ETS) durchführte, weil meine Hände und Füße kaum noch durchblutet wurden. Unter einer ETS versteht man die operative (unter Vollnarkose...) Durchtrennung von einzelnen Ganglien des sympathischen Nervensystems zur Behandlung bestimmter peripherer Durchblutungsstörungen. Dazu werden Edelstahllanzetten an 4 Stellen quer durch den Oberkörper, an der Lunge vorbei, bis zur Wirbelsäule geführt. Der Krankenhausaufenthalt dauerte mehrere Wochen. Die Krankheit wurde immer mysteriöser und ich war erst 24 Jahre alt. Nach endlosen Tests bekamen wir dann Klarheit. Es war ein ausgeprägtes Sharp- Syndrom mit einer schweren Reynaud-Symptomatik - eigentlich ganz einfach wenn man weiß nach was man suchen muss und mein Kinderarzt war ja auch schon einer Autoimmunerkrankung auf der Spur. In der Folge wurde immer nur symptomatisch behandelt, was dazu führte, dass ich jeden Tag eine Menge bunter Pillen zu mir nehmen musste.


Eine in fast jeder Hinsicht „rabenschwarzes Jahr” war dann meine Ausbildung bei der Polizei, die ich aus gesundheitlichen Gründen (und weil mein humanistisches Selbstverständnis langsam abstarb und die Depression immer mächtiger wurde...) - 1994 abbrach. Eine nette Anekdote ist, dass in meiner Hundertschaft - ich war Hundertschaftssprecher und hatte meine betroffenen KollegInnen gegenüber unserer Hundertschaftsführung und der Abteilungsführung (Kasernenkommandant) zu vertreten - beim „Haschomat-Test”, der erstmalig bei unserer Einstellung durchgeführt wurde, über 40% dergesamten Hundertschaft positiv auf Cannabis war - 1994 wohlgemerkt... - bei der bayerischen Polizei wohlgemerkt. Hallo???


Als ich dann 1996 erfahren habe (das Internet war ja noch so jung, hat aber an den Hochschulen schon sehr gut funktioniert und war eine überbordende Quelle der Information zum Thema Cannabis...) dass Medizinisches Cannabis in Kalifornien legal wird, habe ich meine Chance gesehen, kompetente Hilfe zu bekommen. Allerdings habe ich zu dieser Zeit studiert und absolut kein Geld, um nach Kalifornien zu kommen. Da kam mir der Zufall zu Hilfe. Für das Rote Kreuz sollte ich weltweit Reisegruppen für Menschen mit Behinderung organisieren und ein gewünschtes Reiseziel waren die USA.

Dort bekam ich dann auch tatsächlich von jenem Medizinprofessor der Rheumatologe ist, kompetente Hilfe. Er hat mich an Dosierungen und Sorten herangeführt und mir erklärt, wie man den größtmöglichen Nutzen erhält bei gleichzeitiger Schadenminimierung. Mit diesem Wissensschatz kam ich nach Deutschland zurück und hielt mich daran so gut es die Versorgungslage eben zuließ.


Während des Studiums in Nürnberg ging es mir damit gut und auch psychisch erholte ich mich zusehends. Dann schloss ich nach 5 Jahren mein Studium mit Auszeichnung ab und kam zurück in die Kleinstadt Lindau. Mittlerweile bestanden die alten Strukturen nicht mehr - fast alle meine Freunde waren beim Studieren - und ich musste wieder auf Chemie zurückgreifen, nur dass es diesmal richtig dick kam.


Nachdem ich 1999 ein Großprojekt (Seniorenresidenz mit Pflegestation...) in Lindau konzipiert und den Bau und die Inbetriebnahme begleitet hatte, verschlechterte sich mein Zustand wieder bedenklich. Dies führte zu einem längeren stationären Aufenthalt in der Rheumaklinik, die ich erst verlassen konnte, als ich chemotherapeutisch eingestellt war. Das Mittel der Wahl war Methotrexat (MTX), das wird bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma, Schuppenflechte (Psoriasis) und Morbus Crohn angewendet. In hoher Dosierung kann es auch im Rahmen einer Chemotherapie zur Behandlung von Leukämie und anderen Krebserkrankungen eingesetzt werden. Der Wirkstoff hemmt ein Enzym im Folsäure-Stoffwechsel und stört so die Teilung von Krebszellen und Zellen des Immunsystems, die Folsäure zum Wachstum benötigen. Daher kann die Behandlung mit Methotrexat erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen: Häufig treten Magen- Darm-Probleme auf. Außerdem kann es häufig zu Hautausschlägen und peinigendem Juckreiz sowie zu Leber- und Nierenschädigung kommen. Und so war es auch. Nesselsucht und ein erheblich geschädigter Magen-/ Darmtrakt nach den ersten 18 Monaten Therapie - 40 kg Gewichtsverlust in den ersten 12 Monaten... - 6 Monate arbeitsunfähig...!


Als Alternative hatte ich dann eine mehrjährige immunsupressive Therapie, während der ich so ziemlich für alles anfällig war, was krank macht...


Eine tolle Chance bot mir dann die Fachhochschule Vorarlberg, die mich trotz meiner Beeinträchtigungen als Forschungs- und Lehrassistent haben wollte. Mittlerweile war das Thema Drogen und Sucht zu meinem Forschungsschwerpunkt geworden und ich verfügte über ein umfassendes Expertennetzwerk, das mir das Thema Cannabis in der Medizin sehr schnell noch näher brachte. So kam ich auch mit dem Cannabismedikament CBD in Kontakt, dass mir bei schweren Schüben - insbesondere bei depressiven Schüben - sehr hilft. Leider war es auch hier so, dass ich die Versorgung nicht sicherstellen konnte und dann kam es wie es kommen musste.


2002, zweite Chemo und die Doktorarbeit stand an. Ich quälte mich durch die folgenden 2 Jahre - die ich nur mit Cannabis überstanden habe! - bestand ebenfalls mit Auszeichnung und klappte dann zusammen, wurde aber Professor - ...wieder 58 kg und 4 Monate arbeitsunfähig! Magen- und Darmblutungen, massive, diffuse Schmerzen im ganzen Körper und eine manifeste Depression.


Mittlerweile habe ich drei Ärzte, einen Psychiater, einen Rheumatologen und einen Hausarzt, die mir alle zu Cannabis raten und wenn Frau Mortler tatsächlich Wort hält, hat meine Odyssee nach 42 Jahren heuer endlich ein Ende. Ich bekäme in diesem Fall - nachdem ich die letzen 8 Jahre Cortison, 6 verschiedene Antidepressiva (gleichzeitig!) und Psychotherapie bekommen habe - von meinem Hausarzt tatsächlich Cannabis verschrieben, der sagt, dass alles andere Unverantwortlich wäre... - nach 30 Jahren Leid, Verfolgung und Illegalität!


Danke Frau Mortler! Danke CSU - einfach näher am Menschen...!


Mittlerweile bekomme ich tatsächlich - nach einem fast tödlichen Zusammenbruch - meine Medikation verschrieben, und dank meiner Apotheke, bin ich stets gut versorgt. Ich würde sogar den Maximalsatz von 100 Gramm pro Monat bekommen, habe aber im Rahmen einer Langzeitselbstbeobachtung und endloser Excel-Tabellen ermitteln können, dass 45 Gramm - also 1,5 Gramm pro Tag - den besten Effekt haben, völlig nebenwirkungsfrei - ganz im Gegensatz zu den Chemotherapeutika oder den Opiaten.


mehr zum Thema Cannabismedizin von PROF. DR. CHRIS DORN:


(Dr. Christian R. Dorn, 2016; Hanfpsychose. Vom psychotischen Umgang über die medizinische Anwendung zu legalen Genuss. (Books on Demand; Auflage: 2 - 12. Mai 2016)

0 Ansichten

KONTAKT

BuddhAID I Professor Doktor Chris Dorn

Kemptenerstrasse 168 I Lindau, D 88131​

mobil I +49 1520 34 70 596

  • Instagram - Schwarzer Kreis
  • Twitter - Schwarzer Kreis